Felder voller Mohnblumen

In Flanders fields
by John McCrae, May 1915

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the Dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.


 „Juhuu es ist schulfrei, wir können den ganzen Tag mit Mama, Papa und Anna spielen!“, das müssen sich meine Kids heute morgen beim aufwachen gedacht haben. Aber was hat das mit dem Gedicht zu tun?

Ganz einfach, jedes Jahr am 11. November um 11:00 Uhr, ist die circa 2-wöchige Erinnerungszeit an die gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges vorbei. Sehr viele Kanadier tragen in dieser Zeit eine Poppy (=Mohnblume) an ihren Jacken, um ihr Mitgefühl zu symbolisieren. Die Plastikanstecker gibt es fast überall gegen eine kleine Spende für die Armee, denn die Blume soll laut Wiki, die vom Blut der gefallenen Soldaten geröteten Felder in Flandern, einer wichtigen, kanadischen Front symbolisieren. Sie zeigt aber auch, dass durch die Zerstörung durch die Bomben keine Blumen mehr wachsen, also kein Leben, keine Hoffnung mehr besteht. Die Bedeutung leitet sich aus dem Gedicht ab, denn John McCrae war ein kanadischer Autor und Arzt und hat dieses Gedicht kurz nach dem Tod eines guten Freundes, an der Front verfasst. Es wurde anschließend besonders in den Commonwealth-Staaten als Propagandamittel eingesetzt und geht meiner Meinung nach, sehr unter die Haut.

Da heute um 11 Uhr vor 97 Jahren die Waffen niedergelegt wurden und somit inoffiziell der erste Weltkrieg vorbei war (offiziell erst 1919 mit dem Versailler Vertrag), wurde um 11 Uhr eine Schweigeminute zum Gedenken der Soldaten eingelegt und es ist ein nationaler Feiertag, weshalb meine Gastmutter nicht arbeiten und alle Kinder nicht in die Schule mussten.

Ich habe mir überlegt auch so eine Blume zu kaufen, habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich so etwas aus Deutschland nicht kenne, obwohl ich es eigentlich relativ schade finde, dass man als Deutscher quasi das Gefühl hat sich für die Vergangenheit seines Landes schämen zu müssen, obwohl mir natürlich glasklar ist, was „wir“ für Schadtaten zu verantworten haben. Und aber auch, weil ich keinen Grund sehe irgendeiner Armee mit Geld zu helfen Waffen zu bauen und zu verwenden. Das ist natürlich nur meine Meinung und ich lasse mich gerne, durch gute Argumente von besserem Überzeugen, aber ich finde, wir Menschen können durch Worte und Taten genug zerstören und brauchen nicht auch noch Waffen, die eventuell in falsche Hände gelangen können. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung zu diesem Thema in die Kommentare schreibt! 🙂

The Globe And Mail von heute
Zu diesem besonderen Anlass werden natürlich alle politischen und sozialen Probleme von Journalisten ausgekramt und so war das Hauptthema in der Zeitung von heute neben dem Andenken an die Gefallenen, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und den Flüchtlingen (schon 10.000 haben in Kanada Asyl beantragt) besonders der radikale Regierungswechsel durch die Wahlen vom 19. Oktober. Bei diesen Wahlen wurde die rechtskonservative Partei „Conservative“ unter Stephen Harper von den eher linken „Liberals“ unter Justin Trudeau abgelöst und viele hoffen auf einen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Aufschwung. Außerdem wurde in Harpers Wahlkampf ein großer Fokus auf ein versprochenes Gesetz zur Verbietung der Verschleierung der Frauen gelegt und große Rücksicht auf die meist sehr rechten Québéquois genommen. Den meisten anderen Kanadiern hat das nach 9 Jahren gereicht dem „Monopol“ ein Ende gesetzt. Zumindest ist das die Sicht, wie ich sie von dem meisten Wählern um mich herum mitbekommen habe, obwohl ein Teil meiner Gasteltern sogar die Konservativen gewählt hat, da sie die Steuern nicht erhöhen wollten.
Doch da diese Wahl ein eindeutiges Zeichen der Kanadier an ihre Regierung war, versucht der neue Präsident jetzt wirklich allen zu zeigen, dass er eine neue Ära beginnen will. Sein Kabinett besteht beispielsweise zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen, was zu großen Diskussionen führte, da durch die Verteilung der eigentlichen Abgeordneten der Liberals alle Frauen eine dreimal höhere Chance hatten ins Kabinett zu kommen, als die Männer. Im Endeffekt wird Trudeau von den meisten Kanadiern in seinem Handeln unterstützt und es besteht große Zustimmung zu seiner Aussage, er mache das, weil wir im Jahr 2015 angekommen seien. Doch er wird auch mit Barack Obama verglichen, der in seinen bisher 6 Jahren Amtszeit als erster, pigmentierter Präsident der USA es nicht geschafft hat den jahrhundertealten Rassismus gegen „Schwarze“ in seinem Land abzuschaffen.
Ob dieser Machtwechsel wirklich etwas ändert, wird sich in den kommenden Jahren herausstellen. Ich genieße hier jedenfalls die Zeit und verfolge fleißig die Politik für euch, die ihr ja leider nur von Flüchtlingsdramen, Pegidaverrückten und Fußball überflutet werdet. Wollt ihr davon mehr hören? 😉

Achja, ich habe mich zum Schluss entschieden heute den nationalen „Erinnerungstag“ als Gedenktag zu sehen und meinen Lieben und Geliebten zu Gedenken und ihnen zu danken, dass sie in meinem Leben sind, egal wie weit weg oder unerreichbar sie sind. Und auch einfach dafür zu danken, dass ich mein Leben so leben kann, wie ich es tue, dass ich lernen und reisen darf, dass ich meine eigenen Entscheidungen und Verantwortungen habe und mein Leben genießen kann, so wie ich es mir wünsche, das ist ein wirkliches Privileg, obwohl ich es mir meistens nicht bewusst bin.

 

DANKE!

 

 

Eure Anna

 


P.S. Das Gedicht habe ich von dieser Internetseite: http://www.greatwar.co.uk/poems/john-mccrae-in-flanders-fields.htm

Veröffentlicht von

Profilbild von Anna Langschwert

Anna Langschwert

Hallo! Ich bin ein abenteuerlustiges und vielleicht ein bisschen verrücktes 19-jähriges Mädchen und lebe im Moment in Kanada, um dieses wunderschöne Land zu bereisen und zu überlegen, was ich ab 2016 studieren will. Ich freue mich, wenn du mich auf meinen Abenteuern begleitest. Alles Liebe Anna :)

4 Gedanken zu „Felder voller Mohnblumen“

  1. Tatsächlich ein bewegendes Gedicht bei dem die Toten zu uns sprechen. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, was der Dichter meint mit „Take up our quarrel…“ – „Nehmt unseren Streit mit dem Feind auf und haltet die Fackel hoch…“. Hört sich schon wieder sehr stolz und kämpferisch an. Da muss man wohl eher Kanadier sein um sich dem ganz anschließen zu können.

    Andererseits zeigt der Titel des Zeitungsausschnitts, dass dieses Mitgefühl für die Verstorbenen auch anderen gelten kann. Auf dem Friedhof in Flandern wird ja auch „nur“ 9 Kanadiern und 1107 Briten gedacht.

    Ich werde mich dem Gedanken anschließen und in der nächsten Zeit und speziell am Ewigkeitssonntag Ende November an die denken, die mir Leben geschenkt, die mich geliebt und geprägt haben.

    Danke für deine Anregung.

    1. Ja natürlich muss man dafür ein Kanadier sein. 😉 Ich glaube für uns Deutsche ist dieser Nationalstolz, wie er in Nordamerika ja besonders zelebriert wird etwas total komisches, weil wir immer das Gefühl haben das nicht zu dürfen aufgrund unserer Geschichte, aber eigentlich ist es sehr nett, denn man weiß, dass man immer etwas mit seinem Nachbarn gemeinsam hat, auf das man stolz ist. Es schweißt die Menschen hier irgendwie sehr zusammen und man ist dadurch freundlicher und offener mit seiner Umwelt.

      Ja wie gesagt, man fühlt sich mit jedem verbunden und ist dann natürlich auch besonders stolz auf diese 9 Menschen, die im Namen ihres Herkunftslandes für etwas (besseres) kämpfen.

      Es freut mich sehr, dass ich zum Nachdenken und Überdenken anregen kann – danke! 🙂

  2. Diesen Beitrag hatte ich in meiner täglichen Hetze nicht richtig wahrgenommen. Schade eigentlich, denn jetzt kommt mein Kommentar zu spät.
    Auch ich habe leider das Gedicht nicht ganz verstanden, finde aber auch, dass genügend Geld in Waffen und Armeen gesteckt werden, was langfristig eher wenig zu unserer Sicherheit beiträgt – man denke nur an die Anschläge von Paris.
    Aber ich finde, dass wir alle trotz allem stolz sein dürfen auf unser jeweiliges Land – sofern Stolz nicht als Überheblichkeit aufgefasst wird, sondern als ein Gefühl, das eine Begleitung von Liebe ist.

    1. Kein Kommentar kann zu später kommen – ich freue mich immer sehr andere Gedanken zu meinen zu erfahren!
      Ich bin zum Beispiel genau deiner Meinung und denke jetzt im Nachhinein, dass ich wohl noch etwas mehr betonen hätte können, das ich stolz auf mein Land bin, wie es mit seiner Geschichte und teilweise auch der Zukunft seiner Bürger umgeht und versucht zum Beispiel in Sachen Umweltschutz und Atomausstieg ein gutes Vorbild für andere Staaten zu sein.
      Danke! 🙂

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