Alberia #1

Heute sollt ihr über mein Wochenende erfahren, aber vorher kurz:

Es sind schon über 10 Tage vergangen, seit ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe – unglaublich! Eigentlich dachte ich, dass ich noch einen Post schreiben würde, bevor ich wegfahre, aber es hat sich nicht ergeben, weil ich einiges erledigen musste und die ruhigen Abende in meinem umgestellten und jetzt sehr gemütlichem Zimmer total genossen habe. Danke also für eure Geduld!

Wie ihr es vielleicht schon bemerkt habt, gibt es jetzt eine Möglichkeit für euch immer auf dem Laufenden zu bleiben, ohne ständig die Seite checken zu müssen. Tragt einfach eure E-Mail-Adresse in den Newsletter unten links ein und ihr bekommt eine Nachricht sobald ich einen neuen Eintrag veröffentlicht habe. Ich hoffe das gefällt euch so und erleichtert euren Alltag ein wenig – ich freue mich auf jeden Fall über jedes Feedback. 😉

 

So und jetzt mal zum Thema!

Alberia? Gibt es etwas, das so heißt?
Natürlich nicht. 😉 Nur meine Kinder nennen die Provinz Alberta, die im Osten an British Columbia (BC), in der Kelowna liegt, angrenzt so. Es ist eine Kombination aus den Worten: Alberta und Sibiria (=Sibirien), denn in Alberta ist es meistens um einiges kälter als in British Columbia, da es tiefer im Land liegt und Kelowna im kanadischen Vergleich sehr milde Temperaturen vorzuweisen hat. Eigentlich ist das Wetter hier meistens wie in München.

Um es kurz zu zufassen: Wir haben uns am Donnerstagmorgen auf den Weg zu den Großeltern der Kinder nach Alberta gemacht, da am Montag Thanksgiving und somit ein landesweiter Feiertag war. Die Kinder hatten am Donnerstag und am Montag schulfrei und meine Hostmum, die donnerstags nie arbeitet, hat sich den Freitag frei genommen und so hatten wir 5 Tage Kurzurlaub.
Ich habe mir die Gelegenheit natürlich auch zu Nutzen gemacht und kurzerhand zwei Nächte in einem Hostel in Banff, der Hochburg der Deutschen (Traveller), gebucht. Wirklich fast jeder Kanadareisende hat mindestens eine Nacht in Banff verbracht und das zu einem guten Grund! Aber alles der Reihe nach. 🙂

Wie es immer vor einer (Ab-)Reise mit Kinder ist, war der Donnerstagmorgen etwas chaotisch aber wir haben es alle geschafft relativ pünktlich mit Gepäck und Brotzeit im Auto zu sitzen. Pixi, der Hund, war die Zeit über bei der Mutter meiner Gastmutter, die in Kelowna lebt. Unsere Route ging dann hinaus aus Kelowna in Richtung Norden, vorbei an Armstrong, wo die Tiershow an meinem 1. Tag stattfand, entlang an einigen wunderschönen Seen, die im Sommer von der wohlhabenderen Bevölkerung Vancouvers in Hausbooten  bevölkert werden und dann nach Osten auf den Highway Number 1. Das ist größte Straße, die durch Kanada in ost-westlicher Richtung führt. Als Autobahn kann man sie aber nicht wirklich bezeichnen, da sie streckenweise durch Ortschaften führt, einspurig ist und die Geschwindigkeit auf 50 km/h beschränkt ist. Deshalb, wegen vielen großen Trucks und dem Faible der Kanadier für jegliche Art von Campern ist diese Strecke im Sommer wohl sehr langsam und anstrengend zu bereisen. Aber auch im Winter ist es nicht leicht sich auf den Highway zu trauen, da er direkt durch die Rocky Mountains führt und es dort schnell voraussehbare Schneestürme und Eis auf den Straßen gibt. Auf der Hinfahrt hatten wir aber wirklich Glück mit dem Verkehr und dem Wetter und ich war hin und weg von der Natur. Ich bin schon viel gereist und war schon auf vielen Bergen, aber so etwas Beeindruckendes und zugleich Schönes und Beängstigendes, wie die Rocky Mountains hatte ich noch nie gesehen! Anfangs fährt man durch immer höher werdende bewaldete Berge in sehr engen Schluchten, abwechselnd neben Zugschienen oder auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Was ich besonders spannend fand, war, dass es eigentlich keine Baumgrenze gab, die in den Alpen meist sehr eindeutig zu erkennen ist. Hier wurde der dichte, natürliche, unberührte Nadelwald immer wieder von orangegefärbten Laubbäumen unterbrochen. Wunderbar, was die Natur für ein Farbenspiel entstehen lassen kann – es macht einfach Spaß auf einen Wald mit tausenden Bäumen zu sehen. ^^ Ich könnte jetzt noch weiterschwärmen aber im Endeffekt ist das tolle an der Natur hier, dass sie fast überall unangetastet und vollkommen natürlich ist. So sind Schneisen für Gondeln oder Schipisten hier eher eine Abwechslung und besonders im Vergleich zu den Alpen, die im Vergleich zu den Rockys fast ganz von uns Menschen eingenommen zu sein scheinen.

Reiseroute

Auf der Autofahrt haben wir natürlich auch ein paar Mal gehalten, besonders interessant fand ich eine Stelle an der in einem Berg ein Spiraltunnel für die Züge gebaut wurde, um den Höhenunterschied auszugleichen. Diese Idee kam glaube ich ursprünglich von einem Schweizer und wurde hier umgesetzt, da es vor einigen Jahrhunderten für die Siedler zu schwer war den Zug auf anderen Wegen auf den Berg zu bekommen. Kurz hinter der Stelle, an der man die Einfahrt zu dem Tunnel sehen konnte, kam eine sehr hohe Brücke über eine Schlucht. Das besondere daran war nicht nur die Höhe, sondern auch, dass ein ganzer Berg in der Mitte durchgesprengt wurde, um das Ende der Brücke bauen zu können und den Highway fortzusetzten. Man fährt also quasi durch eine Gipfelschneise hindurch.

Nach und nach werden die Täler immer weiter und die Berge immer höher und die Spitzen sind nicht mehr bewaldet, sondern kann sehen, wie sich die Kontinentalplatten vor Jahrmillionen übereinander geschoben haben und dann irgendwie abgebrochen sind. Zumindest wirkt es so. 😉 In den weiteren Tälern ist der Highway umzäunt und es gibt hin und wieder bewachsene Brücken über die Straße. Diese Zäune sind dafür die wilden Tiere von ihrem Tod und die Autofahrer von einem Crash zu bewahren. Die Brücken wurden begrünt, damit die Tiere nicht wissen, dass es sich bei den Brücken um unnatürliche Gegenstände handelt und ohne Angst auf die andere Seite des Highways wechseln können. Diese Sicherungsmaßnamen sind wohl nicht grundlos gebaut worden, denn auf einem Teil der Strecke wurde wohl kurz bevor wir durchgefahren sind ein Bär gesichtet und deshalb ein Warnschild aufgestellt, weshalb wir dann mit 30 km/h auf der Autobahn unterwegs waren und angestrengt nach dem Bär Ausschau gehalten haben, aber natürlich war er schon weg – schade.

So gut die Zäune auch im Stand gehalten werden, mit deutschen Autobahnen kann der Highway längst nicht mithalten. Der Asphalt ist zwar nicht so beschädigt wie fast überall sonst, aber es gibt keine Leit- oder Mittelplanken, geschweige denn Lichter in den wenigen Tunneln. An Orientierungsmittel sparen die Kanadier glaube ich einfach, denn es gibt wenige und nur kleine Schilder, nur orangene Streifen, die das Ende der Fahrbahn markieren und „Falsche-Richtung“-Schilder für die eingeschlafenen Falschfahrer. 😉 Außerdem fand ich sehr interessant, dass alle Mülleimer Bärensicher sind und nur von einer Menschenhand oder ähnlich Kleinem geöffnet werden können.

Nach so circa 4 Stunden Autofahrt wurden die Berge dann wirklich hoch und spektakulär und man hat ein paar vereinzelte Schneeflecken entdecken können. Bevor ich in Banff abgesetzt wurde, haben wir noch eine Stopp in Lake Louise eingelegt und unsere Uhren umgestellt, denn wir sind durch eine Zeitzone gefahren, was ein richtig komisches Gefühl ist, da man ja nichts bemerkt. 😉 Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, was eine Stunde ausmacht. Ich habe viel mehr meiner Freunde erreicht oder war gleichzeitig mit ihnen online und die Sonne ist viel früher unter- und aufgegangen, als hier in Kelowna. Achja und zu Lake Louise kann ich nur sagen: „WOW, wunderschön, jetzt weiß ich warum alle Weltcupfahrer sich immer auf den Saisonauftakt dort freuen, denn alle Teams leben gemeinsam in einem sehr hübschen, schicken, schlossähnlichem Hotel mit direkten Blick auf den See. Da wäre glaube ich jeder gerne an der Stelle der Sportler um diesen Blick zu genießen – umwerfend! 🙂

 

Nach ca. 7 Stunden Unterwegssein, waren wir dann in Banff angekommen und meine Gastfamilie hat mich vor meinem Hostel abgesetzt, wo ich dann eincheckte und mein Bett in einem netten 6er-Zimmer bezog. Was ich die nächsten Tage noch so erlebt habe erfahrt ihr in meinem nächsten Blogeintrag, denn ich glaube, das waren erst einmal genügend Eindrücke und Informationen für euch. 😉 Ich bin jedenfalls super beeindruckt von der Schönheit der Natur hier und freue mich mehr davon zu erzählen ohne uns alle mit einem zu komplexen Blogeintrag zu überfordern. 🙂

 

Bis zum nächsten Mal!

 

 

Eure Anna 🙂

 

 

P.S. Es kommen noch mehr Bilder, wenn sie sortiert und bearbeitet sind. Meine bisherige Route seht ihr auf der Karte in blau. 😉