Verloren!

„Ich bin eigentlich ein Mensch mit einem guten Orientierungssinn, doch hier, hier gehe ich immer verloren! Fühle ich mich hier verloren? War es die richtige Entscheidung für ein Jahr wegzugehen und alles was mir wichtig und lieb war hinter mir zu lassen?“, das habe ich mir an meinem heutigen Tiefpunkt gedacht. Warum? Ich will euch (und mir!) mal zeigen, wie sich meine Laune innerhalb eines Tages verändert, denn ich finde im Nachhinein ist dieser Sonntag ein sehr erfolgreicher Tag!

Also von vorne: Ich habe es natürlich mal wieder nicht geschafft mit meiner Gastfamilie in die Kirche zu gehen, obwohl ich es eigentlich wollte, denn nach dem Flüge suchen und Blog schreiben gestern Nacht, musste ich einfach mal wieder richtig ausschlafen. Und das habe ich auch geschafft: den ganzen Tag war ich wirklich kein bisschen müde – Erfolg Nummer 1! Dann habe ich gefrühstückt mit einer Freundin und meiner Familie geskypt. Dass meine Familie Weißwürste und Brez’n zum Abendessen vor den Laptop mit mir hatten, hat dazu geführt, dass ich diese Woche Brezen mit meiner Großen backen muss, denn sie sind wieder gekommen, als ich mit ihnen geredet habe. Auf das Backen freue ich mich aber schon total, Heimatgefühle und so… 🙂

Ja und dann habe ich mich in mein heutiges Abenteuer gestürzt. Ich habe mich auf mein Mountainbike gesetzt und nach Crawford gefahren. Eigentlich wollte ich nur 2 Stunden in der Wohngegend weiter oben in den Hügeln Mountain biken, denn da war ich schon das letzte Mal und das ist wunderschön da. Die Bewohner Kelwonas kommen dort hin um Mountain zu biken, den Ausblick über Kelowna zu genießen, Downhill zu fahren, zu wandern, ihre Hunde frei laufen zu lassen, zu reiten oder sogar um Motorrad fahren zu trainieren (also über Rampen zu springen und Saltos zu machen). Denn für all das ist es perfekt dort und es ist sehr nah an der Stadt. Nach 20 Minuten an der Straße entlang war ich schon da und habe mich auf die Singletrails getraut. Ich bin ca 1,5 Stunden lang einer Route namens „Lost Lake Trail“ gefolgt, die wohl an einen einsamen See führen soll. Da ist aber nach so langer Zeit bergauffahren eine Lust mehr hatte, habe ich mich als ich einen Schotterweg gekreuzt habe dazu entschieden diesen bergab zu nehmen. Das war keine gute Entscheidung, wie ihr euch denken könnt denn ich bin dann kurz vor den Ende dieses Weges wieder auf einen Singletrail gewechselt und irgendwo im Nirgendwo gelandet. Und das mit kaum noch Wasser, keinem Handy oder Geld – ich habe mich wirklich verloren und einsam gefühlt. Ich habe mir die ganze Zeit meinen Bruder mit seinem Handy herbei gewünscht, denn als wir im August zusammen radeln waren, hat uns eine App brav den richtigen Weg gezeigt und wir hatten eine tolle Zeit zusammen, die ich sehr genossen habe. Außerdem wären die Trails hier genau das, was er fahren wollen würde. 😉
Nach weiteren 1,5 Stunden herumirren habe ich eine befestigte Straße, Häuser und Menschen gefunden, die ich nach dem richten Weg gefragt habe. Ich bin an einem ganz anderem Punkt herausgekommen, als wo ich auf die unbefestigten Trails gestartet bin. Nach mehr als 3,5 Stunden im Sattel habe ich endlich den Mission Creek (der Fluss wo ich joggen war) gefunden und damit den Weg nach Hause – ich war so glücklich, durstig, erschöpft und hab mich über ich selbst geärgert, denn ich hätte ja einfach bei dem Schotterweg umkehren können… Man lernt ja nie aus. 😉 Aber im Nachhinein gesehen war diese Tour der größte Erfolg heute, denn ich hab viel Sport gemacht, bin tolle Trails gefahren, die ich mich sonst nie heruntergetraut hätte, hab mich nicht verletzt oder so und habe selbstständig den Weg heim gefunden! Jetzt, bin ich wirklich stolz auf mich. 🙂

Was besonders dazu beigetragen hat, dass ich mich schnell besser gefühlt habe ist, dass ich als ich wieder zuhause war meinem Hostdad erzählt habe, was ich gemacht habe und er hat sich den Arsch abgelacht, sodass ich einfach mit lachen musste. Er hat dann versucht meinen Weg nachzuvollziehen, aber da ich ja selbst nicht wusste, wo ich herausgekommen war, konnte ich ihm nicht wirklich helfen und war glücklich, weil ich lachen konnte und weil dieses ganze Abenteuer einfach so eine typische Annaaktion ist – ein riesiger Schlamassel. ^^ Dann habe ich geduscht, meine Hostmum hat mich mit Schokolade versorgt und ich habe bei den Tortillas (gefüllt mit Lachs und Salat komisch Mischung aber gut!) zum Abendessen richtig reingehauen. Dann habe ich noch Wäsche gewaschen und Bratsche geübt, also alles gemacht, was ich machen wollte – Erfolg Nummer 3.

 

Jetzt freue ich mich auf mein Bett und wünsche euch auch, dass ihr tolle Abenteuer erlebt und superstolz darauf seit diese erlebt zu haben und erleben zu dürfen, das ist nichts Selbstverständliches!

 

 

Alles Liebe eure Anna 🙂

 

 


P.S. Ich habe selbst keine Bilder gemacht, da ich mein Handy nicht dabei hatte, aber ich habe in Google ein tolles Bild der Aussicht gefunden, das ihr hier als Titelbild seht. Es wurde auf der Seite www.kelownastables.com veröffentlicht.